Rudolf P. Schneider

Bildhauer und Restaurator
M
ein Großvater führte mich schon in Kindheitstagen zur Bildhauerei, indem er mir ansatzweise das Schnitzen beibrachte. Um die notwendigen Grundlagen für meinen späteren Beruf als Bildhauer und Restaurator zu schaffen, lernte ich das Tischlerhandwerk. Drei Jahre später wurde ich an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schnitzer, Oberammergau, angenommen, die Ausbildung schloss ich mit sehr gutem Ergebnis ab. Im renommierten Bildhauer- und Restaurierungsbetrieb Karl-Heinz Müller, Brühl/Rheinland, war ich neun Jahre lang tätig; hier habe ich die Kunst der vergangenen Jahrhunderte im Detail kennen gelernt. Ich arbeitete an romanischen, gotischen und barocken Kunstwerken, vor deren Meistern ich nach wie vor großen Respekt empfinde. Die handwerklichen Ausbildungen und die Restaurierungen sind Ausgangspunkt für mein heutiges freies Schaffen. Seit 1990 arbeite ich im eigenen Atelier. In den Anfangsjahren haben mich die Bildhauer Georg Gehring und Bernhard Müller-Feyen gefördert. Begleitend habe ich bei Rosemarie Bassi (MA, Galeristin) drei Jahre lang Malerei und Zeichnen studiert.

Altes erhalten – Verlorenes ersetzen: Empfohlen vom Landesamt für Denkmalpflege, Mainz, und vom Bistum Trier, habe ich die Gauben und barocke Spiegelrahmen im Palais Erthaler Hof, Mainz, restauriert und für die Pützfelder Marien-Wallfahrtskapelle eine Mutter Gottes geschaffen. Die fast lebensgroße Steinskulptur fügt sich stilistisch ins barocke Ensemble ein und stammt doch deutlich erkennbar aus der Neuzeit. Etwa ein Jahr lang habe ich am Freiligrath-Haus in Unkel/Rhein das Holzwerk restauriert.

Als freischaffender Bildhauer arbeite ich inzwischen nicht nur mit Holz, sondern setze meine Ideen auch in Bronze, Stein und Beton um. So habe ich verschiedene Reihen entwickelt, die Gegenständliches und Abstraktes verbinden oder rein Reduziertes darstellen. Hier sind beispielhaft „Der imaginäre Raum“ und „Der Röhrenmensch“. In der Reihe „Der imaginäre Raum“ zeige ich etwas, was nicht da ist, und dennoch ist es zu sehen. „Der Röhrenmensch“ drückt die grundsätzliche Einsamkeit des Menschen aus und seine ständige innere Suche. Hieraus entstanden ist unter anderen „Focus“, ein Werk, das seit 2002 in der Eingangshalle von Classen Industries in Baruth bei Berlin Blicke auf sich zieht.

Als 2004 Philipp Freiherr von Boeselager auf mich zukam und mir den Auftrag gab, eine Büste in Bronze vom „Kopf des militärischen Widerstandes gegen Adolf Hitler“ zu schaffen, begann ein neues Kapitel für mich: Fast ein halbes Jahr lang beschäftigte ich mich mit Generalmajor Henning von Tresckow, um ein zumindest annähernd authentisches Abbild entstehen zu lassen. Mit Erfolg, denn in der Folgezeit war Baron von Boeselager gerne bereit, mir Modell zu sitzen; leider hat er die Vollendung seiner Büste im Mai 2008 nicht mehr erleben dürfen. Die Treckow-Büste wurde (im Jahr des 60. Jahrestages) in der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg enthüllt. Weitere stehen in Magdeburg und Potsdam.

Ins In- und Ausland haben mich Ausstellungen und Beteiligungen geführt, eine Auswahl: nach München, Mainz und Remagen-Rolandseck sowie mit dem BBK Bonn/Rhein-Sieg nach Bonn und Rybnik/Polen. 2006 habe ich begonnen, eine neue Reihe von Werken zu schaffen. Mein Weg zur eigenen Wahrheit führt mich nun zu Holzbildern. Fichte, Kiefer, Linde, Eiche – zweidimensionale Bilder werden dreidimensional. So entstehen Bilder, die etwas erzählen. Markstrahlen werden zu Spiegeln aufgeschlossen, aus Jahresringen kommen Wellen oder Frequenzen hervor. Pulsierend. Kraftvoll. Bau-, Konstruktions- und Blindholz, oft aus Fichte, zeigen ihr Inneres. Die Jahresringe der Hirnholzbilder enthüllen, wann der Baum sich wohlfühlte und wann er Stress hatte, wie alt er ist und zu welcher Zeit gewachsen. Durch grobes Schleifpapier werden oft Lichtbrechungen hervorgerufen, welche dann in Verbindung mit Lacken, Wachs oder Öl die Farbe des Holzes verändern. Durch aufwändiges Schleifen mit sehr feinem Schleifpapier (9 my = Korn 2500) werden die Lichtbrechungen stark reduziert, schon wird die Originalfarbe wieder sichtbar und der Eigenglanz der Hölzer zeigt sich. Mit der Entwicklung dieser Reihe habe ich die Tür eines Raumes geöffnet, in dem es noch ungeahnte Möglichkeiten gibt.