Bele Bachem
Wie Wolfgang Grätz in seinem Text schreibt ist Bele Bachem (1916 – 2005), absolut unterbewertet. Ihre Rolle in der Kunstszene Westdeutschlands ist noch überhaupt nicht angemessen untersucht, und ihre Bedeutung wird nach wie vor gewaltig unterschätzt. Bele Bachem habe ich als junge Akademieabsolventin 16 jährig, 1958 in den Filmstudios am Rosenhügel in Wien kennengelernt. Sie saß zierlich wie sie war, mit vielen Ringen und langen Ohrgehängen in der Mensa und war sogar für uns Studenten der Akademie eine recht außergewöhnliche Person. Ich tanzte damals mit einer Gruppe von Studentenfreunden in Szenen für den Film „die Halbzarte“, mit Romy Schneider und Carlos Thompson in den Hauptrollen. Die Mutter von Romy Schneider Magda Schneider, Josef Meinrad und Helmut Lohner hatten Nebenrollen. Bele Bachem gestaltete für den Film die Szenenbilder und war sehr bekannt. Viele Zeitungen berichteten in dieser Zeit über sie, natürlich auch viele Klatschblätter. Sie kreierte als erste Künstlerin Porzellangeschirr, für Rosenthal. Heute finden wir unzählige Künstler wie Ernst Fuchs, Hundertwasser, .......die Gleiches tun. Für die damalige Zeit aber war es ein ungeheuer mutiges Unterfangen. Es brachte ihr Bewunderung aber auch so einige Kritik ein. Ihre zierlichen Porzellanfiguren sind heute begehrte Objekte für Sammler. Viele Jahre vergingen und um Bele Bachem wurde es international zusehends ruhiger. Sie lebte in München wo sie weiterhin bekannt war und ihr Werk reifte zu einem beachtlichen Euvre. Ich habe Bele Bachem dort 1980 zum ersten Mal besucht. Es war ein Erlebnis für mich. Ihre unvergleichliche, malerische und zeichnerische Sprache, ihr ewiges Suchen nach Perfektion und ihre unglaubliche Demut vor der „grossen Kunst“ haben mich zu einer großen Bewunderin ihres Werkes gemacht. Es folgte eine erste Ausstellung 1981 in meiner damaligen Galerie Rolandshof, in Rolandseck. Mein Versprechen ihr einem Katalog zu machen, wurde dann zur zweiten Ausstellung, 1984 in Zusammenarbeit mit dem Verleger Theo Rommerskirchen eingelöst. Es war der erste grössere Katalog zu ihrem Werk. Überglücklich schenkte sie mir einige Zeichnungen zum Film „Die Halbzarte“, die ich in einem Karton im ihrem Keller gefunden hatte. Der Titel des Kataloges „ EIN LEBEN DER KUNST GEWIDMET“ erschien zur gleichnamigen Ausstellungsserie die quer durch Deutschland ging. Ich zeigte nach einer inizialen Ausstellung 1984, in meiner Galerie 1985 in der Städtischen Galerie, Rosenheim, im Edwin Scharff Haus, Neu Ulm und bei Gilla Bollhagen in der Alten Molkerei Worpswede, Ausstellungen die ich organisiert und curatiert habe. Bei allen Ausstellungen war Bele anwesend und voller freudiger Dankbarkeit, dass so viele Menschen ihr Werk bewunderten konnten. Es folgten weitere Einzel-Ausstellungen in meinen Galerien. 1987 Industriebilder zum Zechensterben und am 16. April 1991 Ausstellung im Vortragssaal der Villa Rolandseck. An der grossen Geburtstagsfeier am 26. Mai 1991, zum 75. Geburtstag, waren viele Gäste in die Villa gekommen. Wir speisten im Gossen Saal bei Kerzenschein mit einer glücklichen Bele. Zwischen Bele und mir hat es bis zu ihrem Ableben einen regen Briefwechsel mit vielen Zeichnungen und stundenlangen Telefonaten gegeben, die mir noch heute sehr kostbar sind. Bele Bachem hat an vielen Gruppenausstellungen der Galerie teilgenommen und wird in der „ Ausstellung der Künstler der Galerie“ permanent gezeigt. Es schmerzt mich immer noch, dass ich Bele, an ihrem letzten Gang nicht begleiten konnte. Ich saß am Krankenbett meines geliebten Mannes, den auch Bele sehr geschätzt hat, (er erscheint auf einigen ihrer Bilder) Er hat mich 2007 für immer verlassen. Rosemarie Bassi